Murratore's Micro Blog

Oct 2026

Kling 4.0: Kuaishous Video-KI verdoppelt die Clip-Länge – und spielt mit den grossen Standards mit

«You call the shots» – so klingt die Ankündigung von Kuaishous Kling-Team. Aber hinter dem Werbeslogan steckt ein konkretes Update, das die KI-Video-Landschaft weiter verändert: Kling 4.0 wurde am 27./28. September 2026 offiziell angekündigt, das vollständige Modell kommt im Oktober. Seit dem 28. September ist mit Kling 4.0 Flash bereits eine erste Variante für Ultra-Jahres-Abonnenten zugänglich – ein gestaffelter Rollout, der zeigt, wie die chinesische Video-KI-Plattform strategisch vorgeht.

Was Kling 4.0 tatsächlich kann

Die offiziellen Specs lesen sich wie ein direktes Match der wichtigsten Standards im Videobereich:

  • Native 30-Sekunden-Clips: Eine einzelne Generierung kann bis zu 30 Sekunden laufen – das Doppelte der 15 Sekunden von Kling 3.0.
  • Multi-Keyframe-Steuerung: Bis zu 10 Keyframe-Bilder definieren den Verlauf eines Clips, nicht nur Start- und Endbild wie bisher.
  • Omni Reference: Bis zu 15 multimodale Referenzen (Bilder, Videoclips, gespeicherte Elemente, Stimme) steuern Erscheinungsbild, Bewegung, Kamera und Stil.
  • 4K und 10-bit HDR: 1080p und 4K Output in 10-bit HDR sind für die Vollversion angekündigt – laut TechTimes allerdings noch als «coming soon» markiert, das heisst für Broadcast-Profis bleibt zu tun, das Output-Format in der Praxis zu verifizieren.
  • Stereo-Audio und Lip-Sync: Verbesserte Lippensynchronisation und Stereoaudio-Ausgabe – auch hier hat das Modell den Stand des bisherigen Marktführers weitgehend egalisiert.

Ausdrücklich noch offen: exaktes Launch-Datum im Oktober, API-Preise und die Verfügbarkeit der kleineren Lite-Version (angekündigt für Jahres-Abonnenten).

Kling 4.0 vs. Kling 4.0 Flash

Der Rollout zeigt ein zweistufiges Vorgehen:

  • Kling 4.0 Flash ist seit dem 28. September im Early Access für Ultra-Jahres-Abo-Kunden live. Schnellere Generierung, solide Qualität, aber noch 720p/SDR statt 4K/HDR.
  • Kling 4.0 (voll) folgt im Oktober 2026 und bringt die vollständige Feature-Liste inkl. 4K/HDR, 10 Keyframes und 8000-Token-Prompt-Tiefe.

Das ist kein Zufallsprinzip: Ultra-Jahres-Zahler kommen zuerst, das breite Publikum im Oktober. Wer auf 4K/HDR-Wert legt, sollte der Empfehlung von TechTimes folgen: Auf die Vollversion und deren unabhängige Verifizierung warten, bevor man Broadcast-Workflows darauf aufbaut.

Wo Kling 4.0 im Markt steht

Kontext ist wichtig: Der 2026er-Markt ist dicht. In den Blind-Preference-Rankings der Plattform Artificial Analysis liegt Kling 3.0 noch nicht mal in den Top 5. Veo 3.1 von Google, Sora 2 von OpenAI und Runway Gen-4 teilen sich die Aufmerksamkeit, chinesische Anbieter wie Seedance 2.0 (ByteDance) und MiniMax H3 machen Boden gut.

Klings Spielzug ist deshalb weniger «schockierend neu» als strategisch sauber: Man verdoppelt die nützliche Clip-Länge, erweitert die Referenzsteuerung massiv und adressiert damit genau die Arbeitsflüsse, bei denen Sora und Veo noch nicht liefern – Story-Telling in einem Take mit konsistenten Charakteren und Szenen.

Fazit

Kling 4.0 ist kein «es existiert jetzt»-Moment, sondern ein Ausbau: Kuaishou holt sich mit längerem Take, mehr Keyframes und massiven Referenzen ein Segment, in dem die grossen Konkurrenten (Sora, Veo) noch Schwächen zeigen. Für Kreative heisst das konkret: Mehr Kontrolle über Erzählung, Kamera und Charaktere in einem einzigen Generierungslauf – und mit Flash eine Variante, die die Iteration beschleunigt.

Wer in der Schweiz oder EU mit KI-Video arbeitet und Kling 4.0 nutzen will, sollte zwei Dinge vorbereiten: die Ultra-Jahres-Mitgliedschaft für den Flash-Zugang oder die Wartezeit bis Ende Oktober, und die Absicherung des Workflows mit parallelen Werkzeugen (Veo 3.1 in Gemini, Sora 2 in ChatGPT), solange die Kling-API noch nicht breit verfügbar ist.

Quellen