OpenAI hat mit «Dots» ein neues Produkt vorgestellt, das den Schritt vom Chat-Assistenten zum dauerhaft arbeitenden Kollegen markiert: der erste Always-on-Agent mit eigenem Cloud-Computer, eigenen Browser und Anbindung an über 4'000 Apps. Der Antrieb ist GPT-6 Astra. Statt Antworten zu schreiben, erledigen Dots ganze Teilaufträge – teils, bevor man fragt.
Ein Dot ist kein weiteres Chat-Tab, sondern ein Agent mit eigenem Arbeitsplatz. Er kann auf seiner eigenen Cloud-Maschine Projekte anpacken, während man selbst weiterarbeitet. Beispiele aus der Bekanntmachung: Ein Dot verfolgt Kundenfeedback, erstellt getestete Bugfixes mit anhängigen PR-Videos; ein anderer überarbeitet Launch-Materialien, wenn sich der Umfang ändert; ein weiterer rechnet Analysen nach, wenn neue Daten eintreffen. Ein früher Testnutzer hat gemerkt, wie sein Dot entdeckte, dass er eine Publikation vergessen hatte zu fakturieren – die Rechnung vorbereitet und nach Freigabe versendet.
Verwaltet wird über ChatGPT (Desktop, Web, Mobile) sowie Slack und Teams – inklusive Sprachanrufen. Der Dot merkt sich Kontext über alle Kanäle hinweg, lernt Präferenzen aus Feedback und arbeitet im Hintergrund weiter, wenn man nichts verlangt.
Und hier kommt die Beschränkung, die in der Schweiz relevant ist: Laut OpenAI-Help-Center starten Dots zuerst für ChatGPT-Pro-User in Märkten ausserhalb des EWR, der Schweiz und des UK. Wer in der Schweiz ein Pro-Abo hat, geht dabei also leer aus.
Die Ausnahme: Business-Premium-Nutzer bekommen Dots in allen unterstützten ChatGPT-Regionen, also auch in der Schweiz. Enterprise-Kunden können die Beta einschalten, wenn die Workspace-Admins das freischalten (standardmässig ausgeschaltet).
Der erste Dot ist bei Pro bzw. Business Premium im Plan kostenlos enthalten, inklusive Allowance für tieferes Arbeiten und erweiterten Limits im ersten Monat. Dots-Gespräche zählen nicht auf die ChatGPT-Nutzungslimits; Tasks in Codex oder ChatGPT Work schon. Man kann den ersten Dot momentan nur am Desktop erstellen, danach auch mobil schreiben; das Erstellen auf dem Smartphone ist nicht möglich.
OpenAI betont die Kontrollschicht stark. Drei Bausteine:
Ausserdem gilt: Business-, Enterprise- und Edu-Daten werden nicht standardmässig zum Trainieren verwendet; auf Privatplänen ist es schaltbar. Und OpenAI schreibt selbst: Dots machen immer noch Fehler – konsequente Ergebnisse sollte man deshalb immer nachprüfen.
Damit rückt das Bild näher, in dem KI-Assistenten nicht mehr auf Abfrage reagieren, sondern nebenbei Projekte vorantreiben – mit Rechte- und Genehmigungsmodell, das aus der Compliance-Welt bekannt ist. Für die Schweiz heisst die Startaufstellung: Business Premium oder warten, bis OpenAI den Pro-Markt auch hier freigibt.