Murratore's Micro Blog

Jun 2026

Apple Intelligence Neustart: Siri AI kommt – mit Googles Hilfe und vorerst ohne die EU

Apple Intelligence Neustart: Siri AI kommt – mit Googles Hilfe und vorerst ohne die EU

An der WWDC 2026 hat Apple den lange angekündigten KI-Neustart von Apple Intelligence vorgestellt. Im Zentrum steht «Siri AI» – eine grundlegend überarbeitete Siri, die persönlichen Kontext nutzt, Bildschirminhalte versteht und Aktionen über App-Grenzen hinweg ausführen kann. Die grösste Überraschung: Apple holt sich dafür Hilfe bei Google. Und die grösste Enttäuschung für Europa: In der EU bleibt das Ganze vorerst gesperrt.

Gemini als Fundament unter Apple Intelligence

Apple hat auf der Keynote bestätigt, was seit Monaten durch die Gerüchteküche geisterte: Die Foundation-Modelle von Apple Intelligence werden durch nicht näher genannte Gemini-Modelle von Google signifikant aufgewertet. Das ist ein bemerkenswerter Schritt. Apple galt jahrelang als Verfechter der Eigenentwicklung – von Chips über Software bis zu KI. Jetzt zeigt sich: Allein schafft man es im aktuellen Tempo nicht mehr. Die Gemini-Integration soll sowohl die Apple-Intelligence-Funktionen als auch Siri AI leistungsfähiger machen. Apple bleibt dabei Betreiber und Kurator der Nutzererfahrung, lehnt sich bei der Modellbasis aber an Googles Frontier-Modelle an.

Lokal bleibt das Versprechen

Trotz der Google-Partnerschaft betont Apple, dass die bisherige Datenschutzarchitektur bestehen bleibt. Das System funktioniert als Hybrid: einfache Anfragen laufen lokal auf dem Gerät, komplexere Tasks wandern in Apples «Private Cloud Compute». Apple verspricht, dass weder Apple noch ein Drittanbieter – auch nicht Google – Einblick in die Anfragen erhalten. Gerade im Hinblick auf die Gemini-Nutzung ist das ein kritischer Punkt: Apple muss glaubhaft zeigen, dass die Datenhoheit beim Nutzer bleibt und nicht in die Google-Wolke abfliesst.

Siri wird zur richtigen App

Eine neue Siri-App speichert Konversationen chatbot-artig und ist in iOS, macOS, iPadOS und visionOS verfügbar. Die bislang auf iPhones beschränkte «visuelle Intelligenz» zur Bildanalyse kommt jetzt auch auf Mac, iPad und Vision Pro. Siri AI soll zudem in jedem Textfeld präsent sein – um Texte zu generieren, Rechtschreibung zu prüfen oder Feedback zu geben. Zum Start funktioniert Siri AI allerdings nur auf Englisch. Weitere Sprachen hat Apple zwar versprochen, aber keinen Zeitplan genannt.

Neue Funktionen in Apple-Apps

Apple Intelligence bringt frische Funktionen in die Standard-Apps mit:

  • Safari: KI sortiert Tabs automatisch und schlägt Passwort-Updates vor, wenn sich Webseiten ändern.
  • Nachrichten: KI-Vorschläge für geteilte Fotos oder Notizen.
  • Kurzbefehle: Erstellung mit natürlicher Sprache statt komplexer Bauanleitungen.
  • Image Playground: Realistischere Bildgenerierung, neu in der Private Cloud Compute statt nur lokal.
  • Fotos: Besseres Bereinigungs-Werkzeug, «Erweitern» von Bildern und leichte Perspektivkorrektur.

Bei der Bildgenerierung führt Apple Nutzungslimits ein, die sich nur über ein iCloud+-Abo aufstocken lassen.

Siri AI vorerst nicht in der EU

Die schlechte Nachricht: In Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten wird Siri AI vorerst nicht auf iPhone und iPad verfügbar sein. Apple begründet das mit dem Digital Markets Act. iOS und iPadOS sind als Gatekeeper-Dienste eingestuft und unterliegen besonderen Wettbewerbsregeln – genau jene Regeln, die Apple dazu zwingen könnten, konkurrierende KI-Dienste gleichberechtigt zuzulassen. Apple ist damit nicht zum ersten Mal konfrontiert: Schon bei der ursprünglichen Apple-Intelligence-Einführung war der Start in der EU auf Macs beschränkt, iOS und iPadOS folgten später. Das Muster wiederholt sich jetzt – der Mac bleibt der Vorreiter in Europa, iPhone und iPad müssen warten.

Und die Schweiz?

Die Schweiz ist bekanntlich nicht Mitglied der EU und unterliegt dem Digital Markets Act nicht direkt. Gemäss Apples Support-Dokumentation ist Apple Intelligence in der Schweiz verfügbar – mit der gleichen Einschränkung wie andernorts: Die Geräte- und Siri-Sprache muss auf eine unterstützte Sprache (z.B. Englisch) eingestellt sein, und es braucht ein Apple-Account-Land ausserhalb der EU. Für Siri AI ist davon auszugehen, dass die gleiche Logik gilt: Schweizer Nutzerinnen und Nutzer sollten Zugang erhalten, sofern Apple-Account und Sprache passen. Es ist gut möglich, dass die Schweiz auch diesmal zu den ersten Märkten gehört, die Siri AI nutzen können.

Hardware: Du brauchst ein neues Gerät

Apple Intelligence läuft auf allen Geräten, die bereits Apple Intelligence unterstützen – also iPhone ab 15 Pro, Macs und iPads ab M1 (sowie iPad mini mit A17 Pro und MacBook Neo mit A18 Pro). Für das leistungsfähigste lokale KI-Modell braucht es aber neuere Hardware: iPhone 17 und iPhone Air, Macs ab M3 mit mindestens 16 GB RAM, iPad Air ab M4 mit mindestens 12 GB RAM. Wer das Maximum an On-Device-KI will, kommt um ein Hardware-Upgrade nicht herum.

Fazit

Apple liefert mit Siri AI das, was bereits auf der WWDC 2024 versprochen wurde – nur zwei Jahre später als geplant. Die Partnerschaft mit Google ist ein Eingeständnis, dass Apple im KI-Rennen allein den Anschluss verliert, aber auch ein cleverer Schachzug: Apple behält die Nutzererfahrung und die Datenhoheit, während Google die Modellbasis liefert. Für Europa bleibt es ein déjà-vu: Erst der Mac, dann der Rest – sofern Apple und die EU-Kommission sich bis dahin auf einen Rahmen für Gatekeeper-KI einigen. Die Schweiz dürfte wie schon bei Apple Intelligence auch bei Siri AI aussen vor der EU-Sperre bleiben.